Wechseljahre – HILFÄÄÄÄÄ?… Antwort auf einen tollen Beitrag! (2)

Foto: Jana Denzler

Foto: Jana Denzler

Liebe Susanne (und alle, die heute wieder hier sind, um zu erfahren, wie es weitergeht),

ich möchte heute weiter über die Wechseljahre nachdenken. Und über Deinen tollen Artikel, den ich vorgestern mit Begeisterung gelesen habe. Die vielen Kommentare beweisen, dass wir alles andere als allein sind mit der Vorbereitung aufs Älterwerden. Lieben Dank Euch allen für Eure rege Anteilnahme an dieser Thematik!! Selbst arte hat das Thema gestern Abend aufgegriffen. In der Mediathek könnt Ihr die Dokumentation „Bin ich sexy?“ von Regisseurin Marita Neher noch bis zum 28.11.2014 anschauen. Darin fragt sie sich, ob sie mit 50 das Verfallsdatum schon erreicht hat und was dann kommt.
Weiter gehts also heute mit den Wechseljahresgedanken… Du stelltest ja z.B. in den Raum, dass es mit den Wechseljahren vorbei sei mit Hormonen, Fruchtbarkeit, Schönheit, dem begehrt werden und mit der Figur.

Das begehrt werden.
Hm. Ich bin verheiratet. Glücklich. Seit fast 14 Jahren mit meinem Mann liiert. Vieles wird dann selbstverständlich, das Begehren verlagert sich. Man(n) weiß ja, was man hat. Also Marktwert testen. Das sollte doch machbar sein. Nicht jeder Mann schaut nur nach den 20jährigen „Hühnchen“. Vielen reifen Männern ist das ja auch viel zu anstrengend. Oder zu albern. Und Susanne, die Männer, die auf die straffen, glatten, faltenfreien und noch nicht lebenserprobten Mäuse abfahren…. ist das unser Beuteschema???
Ich jedenfalls freue mich, wenn ich beim Lieblings-Italiener wohlwollende Blicke der Kellner ernte. Jetzt mag man sagen „sind halt Italiener“. Scheiß drauf…. aber auch Itlaiener schauen nicht jedem Rockzipfel nach. Nur jedem attraktiven ;-).

Die Figur.
Verstehe. Meine Beine sind zu kurz, mein Hintern zu flach, ich habe Krampfadern. Dehnungsstreifen seit ich 14 bin. Bei zu viel Zuckerkonsum auch manchmal Cellulitis. Glücklicherweise nur ansatzweise. Ohne BH wirkt die Erdanziehung. Nicht schlimm, aber spürbar für mich. Seit ich 40 bin hat sich ein kleines Röllchen um meine Hüften gelegt, das mich so lieb hat, dass es gern den Rest unseres Lebens mit mir verbringen will. Hohe Schuhe kann ich seit einigen Jahren auch nicht mehr tragen. Aus Gründen. Örks!!!
Ich kneife meine Arschbacken zusammen und kämpfe um den Erhalt meiner Figur. Joggen, Walken, Hanteltraining, Yoga. Das Yoga hat mich viel gelassener gemacht und hilft mir in mancher Situation (auch bei hormonellen Schwankungen!). Das Hanteltraining sorgt dafür, dass ich mich mindestens 2 Tage lang vor lauter Muskelkater nicht mehr rühren kann, aber auch dafür, dass meine Oberarme in ärmellosen Tops niemandem lebensgefährlich um die Ohren knallen. Joggen und Walken tut meinem anderen Zipperlein gut, dem unteren Rücken. Ich bin an der frischen Luft, verbrenne Fett, setze Glückshormone frei und die Haut hat bei so viel Sauerstoff auch gleich noch was davon. Von nix kommt halt nix.
Bzw. kommt sowas von sowas. Wie mir meine Gynäkologin kürzlich erst mitteilte, bin ich ja auf dem besten Wege in die Wechseljahre. Susanne, Du hast das sehr treffend ausgedrückt. Ist das eine Standartformulierung, die die Gynäkologen in ihrer Facharztausbildung lernen? Im Aufklärungsgespräch wurde mir etwas zu meinem Stoffwechsel erklärt. Er verlangsamt sich. Wenn ich jetzt also jeden Abend ein Glas Wein trinke, Pasta esse oder gar im Nutellaglas löffele, dann freut sich mein Speckröllchen ganz diebisch und schmiegt sich gleich noch enger an mich. Was für schlechte Laune sorgt, wenn ich meine engen Hüftjeans anziehe. Dann postiert sich mein Speckröllchen nämlich ganz ungeniert auf dem Bund und sagt: „Schaut alle her, da bin ich!“
Die knackige Bikinifigur war also einmal. Aber hey: es gibt wundervolle, auch sexy Badeanzüge! Damit ich nicht komplett aus der Form gehe, lebe ich eben disziplinierter, als vorher. Ohne dass ich hungere. Das ginge so gar nicht. Gutes Essen muss sein. Und auch manchmal das „Über die Stränge schlagen“. Aber eben alles in Maßen.
Statt der hohen Schuhe, laufe ich in schicken Ballerinas, in silber Sneakers und eleganten Reiterstiefeln. Da gibt es doch auch so ganz verschärfte rote Stiefel, wenn ich mich recht erinnere…mit Abstaz!! 😉

Auf Seniorennachmittage werde ich sicherlich irgendwann gehen. Verlasst Euch drauf! Aber nicht in lichtgrauer Multifunktionsweste, sondern mit bunten Stützstrümpfen und Blümchenbluse. Oder so. Und ich werde rocken was das Zeug hält, soweit es mein Rollator dann zulässt. Ich werde mich einfach anders orientieren. Mir den Herbst des Lebens so interessant und angenehm wie möglich gestalten. Hab ich auf alle Fälle so vor. Und wenn Du einen Motivator brauchst, liebe Susanne: Ich pack einen roten Lippenstift für Dich ein und hole Dich ab. Ausreden gelten nicht! Für die Wampen gibts tolle Unterwäsche von Wolford! Ein Hauch Luxus darf es ja sein. :-)

Anyway:
Alle Dinge im Leben haben 2 Seiten. Ich versuche immer, die Positive zu finden. Klar werde ich schwitzen und weinen. Damenbart und Bauchansatz hab ich schon. All das will ich nicht. Aber hey…. ich habe die Zeiten der Unsicherheit und Selbstfindung, der Suche nach meinem Platz im Leben hinter mir gelassen. Die Pubertät. Prüfungsängste. Die Panik, nicht DEN Richtigen zu treffen. Schnee von gestern. Wenn wir das Leben bis jetzt so fröhlich überstanden haben, dann schaffen wir die Wechseljahre spielend. Mit Damenbart und Bauchansatz und trotzdem voller Energie und Leben. Attraktiv und schön. So wie Senta Berger. Judy Dench. Iris Berben. Hannelore Elstner. Meryl Streep. Ruht Maria Kubitschek. Helen Mirren. Tolle Weiber!!!

In diesem Sinne grüßt Dich, liebe Susanne und alle die Ihr es bis hier geschafft habt, ganz optimistisch gestimmt

Die Schminktante
Anja

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